Nachdem ich mir Donnerstagmorgen vor meiner Abfahrt in Esens ausnahmsweise einmal Zeit zum Frühstücken genommen habe, mache ich mich auf den Weg an einen anderen Teil der Nordsee, nämlich nach Büsum, um das Odinsloch und andere attraktive Orte zu besuchen.
Auf der Fahrt nach Büsum mache ich morgens noch einen Abstecher an den Jadebusen, wo ich erneut das Blaukehlchen fotografiere (siehe: „Pralles Leben im Norden Teil II – Am Jadebusen“). Kurz vor Büsum biege ich Richtung Meldorfer Speicherkoog ab, um dort am Odinsloch noch ein paar Aufnahmen zu machen.
Das Odinsloch ist immer einen Besuch wert, und es erwartet einen stets die ein oder andere unerwartete Überraschung. Bereits im Oktober vorigen Jahres war ich mit Kumpel Peter hier (siehe: Wie man mit einem Tele um die Ecke fotografiert – Fotojagd bei Büsum) und konnte Eisente und Odinshühnchen ablichten.



Nur wenige hundert Meter vor dem Odinsloch sehe ich eine Gruppe Säbelschnäbler auf einer Insel in einer vernässten Wiese. Während ich eifrig fotografiere, hält neben mir ein Radfahrer, der mir einiges über die Gegend erzählt. „Früher“, so sagt er mir unter anderem, „als ich noch Kind war, war hier nirgends Land zu sehen. Nur Wasser. Es ist erstaunlich, wie der Mensch die Landschaft verändert hat. Vor Jahren gab es hier tausende Graugänse. Jetzt sind kaum noch welche da. Dafür sind jetzt enorm viele Weißwangengänse hier.“ Als er sich verabschiedet, sehe ich, wie sich zwei Uferschnepfen zu einem Paarungsversuch hinreißen lassen.


Am Odinsloch entdecke ich einen der vom Aussterben bedrohten Sandregenpfeifer. Auch einige Kampfläufer tummeln sich hier. Leider sind sie noch nicht zum Prachtkleid durchgemausert. Bis auf einen, der aber sehr weit entfernt ist.







Ich fahre zu meiner Unterkunft und checke ein. Ein kurzer Anruf bei meiner Frau, damit sie weiß, dass ich gut in Büsum angekommen bin: „Gleich besuche ich meine Perle. Da riecht es immer so lecker nach Fisch!“. Stille am anderen Ende des Telefons. Irgend etwas muss ich falsch gesagt haben…
Dann mache ich mich auf zur „Perle“, meinem Lieblingsrestaurant in Büsum, wie Du als eifriger eifelpanorama-Leser weißt (siehe : „Wie man mit einem Tele um die Ecke fotografiert – Fotojagd bei Büsum“) und esse „Kutterscholle Büsumer Art“. Als ich mit dem Essen fertig bin und die Grätengerippe-Reste auf dem Teller betrachte, denke ich: ‚Diese Kutterscholle ist bei der Auferstehung des Fleisches jedenfalls nicht mehr dabei.‘

Am nächsten Morgen fahre ich nach dem Frühstück zu einer Beobachtungshütte in der Nähe des Eidersperrwerks. Am Sperrwerk selbst mache ich einen Zwischenstopp, denn hier ist ein Sandregenpfeifer gemeldet worden. Da ich weiß, wie sein Habitat (Lebensraum) aussehen muss, kann ich ihn recht schnell für ein Foto ausfindig machen. Leider sind die Lichtverhältnisse „suboptimal“.
Die Gelegenheit, den sehr ähnlich aussehenden Flussregenpfeifer abzulichten (den Flussregenpfeifer erkennt man am gelben Augenring), bietet sich mir dann in der Beobachtungshütte. Beim Betreten der Hütte erschrecke ich mich etwas, denn eine Rauchschwalbe fliegt in der Hütte umher. Sie kommt aber schnell durch eine geöffnete Beobachtungsluke wieder hinaus. Dort setzt sie sich auf einen Pfahl vor der Hütte und putzt sich erst einmal ausgiebig, während ich sie ebenso ausgiebig fotografiere.







Nachdem die Rauchschwalbe mir versprochen hat, nicht mehr zu rauchen, kann ich mich nun beruhigt dem Treiben der Säbelschnäbler zuwenden. So nahe bin ich auf meiner bisherigen Fototour noch nicht an die Säbelschnäbler herangekommen. Ich werde sogar Zeuge einer Paarung. Anschließend gräbt die werdende Mutter eine Nestmulde in den weichen Inselboden.




Ob das von mir beobachtete Säbelschnäbler-Getümmel zur Gruppenbalz gehört oder eine Prügelei ist, weiß ich nicht. Wenn es aber eine Keilerei ist, dann sollte man nicht meinen, dass wir uns im nördlichsten Bereich Deutschlands befinden. Die Szene mutet eher bayerisch an…




Reiherente, Schnatterente, Zwergsäger, Graugans, Wiesenpieper und Frosch spielen heute für mich nur eine Nebenrolle. Das Eintreffen hunderter Weißwangengänse stiehlt den Säbelschnäblern allerdings vorübergehend die Show.






Später dann beobachte ich eine ganze Zeit lang zwei Kampfläufer, die ebenfalls noch in der Mauser zum Prachtkleid sind. Ein Highlight ist der Dunkle Wasserläufer, eine der Uferschnepfe ähnlich sehende Limikole. Bisher bin ich dem Dunklen Wasserläufer noch nicht begegnet.







Am frühen Nachmittag fahre ich weiter Richtung Beltringharder Koog. Auf dem Weg dorthin lichte ich noch einen brütenden Schwan ab, der ständig an seinem Nest herum nestelt.
An einer Beobachtungshütte in der Nähe der Arlauschleuse ziehen nicht nur ca. 20 Große Brachvögel über mich hinweg, sondern es kommen plötzlich unglaublich viele Weißwangengänse herangeflogen. Wenn an die tausend Nonnengänse über Dich hinweg fliegen, kannst Du nur hoffen, unbekleckert davonzukommen und dass die Hinterlassenschaften Trümmerteilen aus dem Weltall gleich, in der Atmosphäre verglühen.






Am Deich an der Arlauschleuse grasen Schafe. Es gibt Menschen mit dem Familiennamen Achzig oder Neunzig. Schafe haben offenbar auch solche Familiennamen, wie Neunundzwanzig oder auch Neunundachzig. Da Schafe kein Klingelschild haben, hat jedes Familienmitglied den Namen in die Wolle gestrickt. So weiß jedes Schaf, zu wem es gehört. Die Lämmer wissen anhand der Nummer, wer ihre Eltern sind und die Eltern finden auf diese Weise mühelos ihre Lämmer. Immerhin sehen die ja auch alle gleich aus, wie ich feststelle.





Aus einer Beobachtungshütte am Lüttmoordamm heraus beobachte ich einen Haubentaucher, der einen Fisch gefangen hat, welcher recht verdutzt aus seinen Gräten guckt. Gefressen wird dieser Fisch noch lange nicht. Er dient als Anschauungsmaterial für den Nachwuchs. Immer wieder wird der Fisch in das Wasser getaucht, quer in den Schnabel genommen, wieder eingetaucht, mit dem Kopf zuerst in Längsrichtung in den Schnabel gelegt usw. So wird den Kleinen gezeigt, wie sie später große Fische fressen müssen.
Eine Nonnengans verhält sich gar nicht christlich und vertreibt asylsuchende Graugänse von ihrer Brutinsel.

Entlang des Lüttmoordamms kann ich zahlreiche Limikolen und andere Vögel beobachten. Z.B. Rohrammern, Wiesenpieper, verschiedene Enten- und Gänsearten.




Spät komme ich am heutigen Tag zurück nach Büsum. Da die Restaurants hier in der Regel ab 21 Uhr geschlossen haben, muss ich ein wenig suchen, um noch ein leckeres Fischessen zu bekommen.
Am nächsten Tag fahre ich noch einmal zum Odinsloch und danach zum Holmer Siel, wo ein Rothalstaucher gemeldet ist. Leider ist er wohl schon weitergezogen, denn ich kann ihn nicht entdecken. Im Oktober habe ich am Holmer Siel im Arlauspeicherbecken „hautnah“ Eiderenten fotografiert (siehe: „Wie man mit einem Tele um die Ecke fotografiert – Fotojagd bei Büsum“). Wegen des steinigen Grundes gedeihen hier die von den Eiderenten sehr begehrten Muscheln.
Über den Frust des verpassten Rothalstauchers tröstet mich ein superleckeren Matjesbrötchen hinweg.
Auch die in der Nähe des Husumer Schlossparks gemeldeten Waldohreulen entdecke ich leider nicht.
Für morgen plane ich meine Rückreise. Wieder stehe ich kurz vor 3 Uhr morgens auf, um den Heimweg anzutreten. Ich will noch einen Abstecher zum Ochsenmoor bei Diepholz machen, das ich ja bereits am Anfang meiner mehrtägigen Fototour besucht habe. Hier schließt sich dann wieder der Kreis. Über die Erlebnisse im Ochsenmoor habe ich hier: „Pralles Leben im Norden Teil I – Im Ochsenmoor“ berichtet. Über den weiteren Verlauf der Foto-Exkursion kannst Du Dich im Teil II (siehe: „Pralles Leben im Norden Teil II – Am Jadebusen“) informieren.
Allerdings bin ich genau einen Monat später wieder hier. Denn wie ich erfuhr, haben die Säbelschnäbler nun bereits Nachwuchs. Am Abend meines Eintreffens genieße ich nach einer leckeren Fischmahlzeit den Sonnenuntergang an der Familienlagune in Büsum.



Am nächsten Tag geht es dann zum Katinger Watt, wo ich die Säbelschnäbler-Familie neben Sand- und Flussregenpfeifer und Flussuferläufer aus nächster Nähe fotografieren kann.








Beim Verlassen der Beobachtungshütten treffe ich auf einige Vogelfreunde, die mir das Eidersperrwerk empfehlen, weil dort die Küstenseeschwalben, Flussseeschwalben und die Möwen brüten.



Hier erlebe ich, wie Lachmöwen ein kleines Nachbarküken attackieren, weil es ihnen zu nahe gekommen ist.







Ob die Küstenseeschwalben die Touristen attackieren oder nur auf leicht erbeutbares Futter hoffen, weiß ich nicht. Ich beobachte aber, dass einige Küstenseeschwalben mit einem Geschenk-Fisch vor den Nestern anderer Pärchen sitzen und offensichtlich dem Gatten die brütenden Damen ausspannen wollen. So mancher Nebenbuhler bezieht dann aber irgendwann vom Ehemann Prügel.




Auch am Odinsloch halten sich Säbelschnäbler-Familien mit ihrem Nachwuchs auf.




Zwischen den zahlreichen Sandregenpfeifern entdecke ich einige Zwergstrandläufer. Über diese Begegnung und den anwesenden Steinwälzer im Prachtkleid freue ich mich besonders. Einen Steinwälzer im Schlichtkleid hatte ich ja schon bei meinem Besuch im Oktober des Vorjahres vor die Linse bekommen (siehe: „Wie man mit einem Tele um die Ecke fotografiert – Fotojagd bei Büsum„).




Außerdem tummeln sich Rotschenkel, Uferschnepfen und eine einsame Kampfläuferin am Odinsloch.
Die künstliche Brutinsel ist von den Flussseeschwalben belegt. An der schwarzen Schnabelspitze erkenne ich, dass es sich hier nicht um Küstenseeschwalben handelt.

Am nahegelegenen Wöhrdener Loch (wo es übrigens auch Koniks, also Wildpferde gibt), sehe ich den ersten Kiebitzregenpfeifer in Natura. Er zieht sich die Würmer aus dem schlammigen Boden. Wenn ich meine Spaghettis so einzeln essen würde, käme ich nie zum Berichteschreiben.



So verbringe ich zwei kurzweilige Tage in Büsum, bevor ich mich am Samstag um kurz vor vier Uhr morgens auf den Weg Richtung Havelland zu den Großtrappen mache.
Hier die Links zu den Berichten meiner beiden großen Frühlings-Rundreisen:
Pralles Leben im Norden Teil I – Im Ochsenmoor
Pralles Leben im Norden Teil II – Am Jadebusen
Potemkinsche Vögel – Groß-Atrappen? Großtrappen?
Känguru oder Vogel? – Die Beutelmeise und die Linumer Teiche