In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, mich fotografisch um Wasservögel zu kümmern. Ich berichtete ja schon über einige Exemplare am Badesee Düren. Irgendwann fällt mir bei meinen Recherchen ein Bild vom De Wittsee auf. An einem Sonntag im März mache ich mich auf und fahre früh morgens gut 90 km Richtung Leuther Mühle, wo ich meinen Wagen parke.
Die L373 (Hinsbecker Straße) muss überquert werden und man befindet sich unmittelbar an der Nette. Ich folge dem Flüsschen aufwärts bis zum Rohrdommel-Projekt – eine geflutete Moorfläche, auf der sich jede Menge Wasservögel angesiedelt haben.

Es ist noch sehr kalt, weshalb das Gras am Wegesrand voller Rauhreif ist und sich auf dem Wasser ein dünner Eisfilm gebildet hat.

Mein schmaler Pfad führt zwischen Nette und Rohrdommelprojekt Richtung De Wittsee. Ich passiere einen von Kormoranen belagerten toten Baum und erreiche den Vogel-Beobachtungsturm. Eine Tafel weist auf die Vogelwelt hin, die hier zu finden ist.




Vom Beobachtungsturm herab mache ich ein paar Fotos. Ich gehe weiter, um die Gegend zu erkunden und treffe an einer Bank auf einen weiteren Fotografen. Er wartet auf die Wasserralle, die hier vor allem morgens auftaucht, wenn die ersten Sonnenstrahlen auf diese Stelle treffen und den Eisfilm auftauen. Immer mehr Fotografen treffen ein. Einer von ihnen geht ein Stück weiter und zeigt uns wenige Minuten später triumphierend ein Foto der Wasserralle, das er gerade 50 Meter weiter geschossen hat. Wir werden an diesem Tag die Wasserralle nicht mehr zu Gesicht bekommen.
Ich verabschiede mich vorläufig von den Naturfotografen-Kollegen und setze meinen Erkundungsgang entlang des De Wittsees fort.
An den teilweise verrotteten Stegen mache ich einige Fotos von der Morgenstimmung am See.






Bis zum alten Bahndamm am Ende des Sees gehe ich. Er trennt den Großen De Wittsee vom Kleinen De Wittsee. Ich beobachte einen Schwan, der seine Macht und Stärke zeigen will und arme Graugänse verjagt. An seiner Flügelstellung kann man erkennen, dass er auf Krawall gebürstet ist.


Zurück geht es wieder zur „Wasserrallen-Bank“, an der nun noch mehr Naturfotografen versammelt sind. Eine Weile halte ich mich dort noch auf, bevor ich den Heimweg antreten muss. Auf dem Weg zum Auto fotografiere ich noch einen Silberreiher.



Noch ahne noch nicht, dass ich bis Ende Mai annähernd 20 Mal den De Wittsee, bzw. das Rohrdommel-Projekt aufsuchen werde. Viele Kontakte kann ich knüpfen, Erfahrungen und „Locations“ austauschen.
Einige Tage später bin ich wieder hier.

Auf der Nette schwimmt heute ein Zwergsäger. Es ist amüsant zu beaobachten, wie der ganze Tross Paparzzis (mich nicht ausgenommen), die Schwimmvögel im Laufschritt überholt, um sie dann von vorne zu fotografieren. Meist in der Hocke oder im Liegen. Oft genug müssen Spaziergänger über die Beine der quer auf dem schmalen Pfad liegenden Fotografen steigen. Wenn dann der Vogel seine Schwimmrichtung abrupt ändert, springen alle auf und rennen wieder los, um den Vogel zu überholen.


Die Tiere haben sich ganz offensichtlich an das Schauspiel gewöhnt. Zumindest die, die auf der Nette ihr Revier haben. Sie flüchten nicht, sondern haben wohl Spaß daran, uns Fotografen zu veräppeln.
Das Tolle ist, dass man hier ganz nahe an die Tiere herankommt, ohne Tarnzelt und ohne sie zu beunruhigen.
Während auf der Nette der Zwergsäger schwimmt, finden sich im gegenüberliegenden Rohrdommel-Projekt die Graureiher ein, um zu frühstücken.







In der Nette und im De Wittsee gibt es jede Menge Muscheln und Krebse. Die einheimischen Flusskrebse sind aufgrund einer Pilzkrankheit (Krebspest) so gut wie ausgestorben. Die Krebspest wurde durch den amerikanischen Kamberkrebs eingeschleppt. Der ist gegen den Pilz resistent. Bei den Krebsen in der Nette und im De Wittsee handelt es sich also um Kamberkrebse. Haubentaucher, Blässhuhn und andere haben sich auf den Verzehr dieser Krebse spezialisiert. Während die Haubentaucher die Krebse manchmal sogar komplett verschlucken (mit dem Schwanz voran, damit die Zangen nicht zupacken können), zerlegen die Blässhühner die Krebse fachgerecht.







Im Gegensatz zu Krebsen werden Fische vom Haubentaucher mit dem Kopf voran verschluckt. Der Grund dafür ist, dass sich sonst die Schuppen des Fisches aufstellen und das Schlucken behindern.






Manchmal werden mit der Beute auch unfreiwillig „Essstäbchen“ mit erbeutet. Schwierig für unseren Haubentaucher, das Stäbchen wieder loszuwerden.





Ich beobachte, wie zwei Blässhühner habgierig auf den leckeren Krebs schauen, den ein Haubentaucher gerade erbeutet hat. Gemeinsam schaffen sie es, dem Taucher den Krebs abzunehmen. Der Krebs wehrt sich und packt mit einer seiner Zangen zu. Das Phänomenale: Obwohl das Blässhuhn den Krebs bis zum Brustpanzer bereits aufgefressen hat und ihm das weiße Fleisch aus der Schale guckt, schafft es der Krebs, auch noch mit der zweiten Zange zuzupacken. Das Blässhuhn hat den „defekten“ Krebs nun mit beiden Zangen am Hals. Trotzdem hat der Krebs keine Chance. Er wird unter Wasser abgeschüttelt und aufgefressen.



Die Konkurrenz zwischen Blässhühnern und Haubentauchern sorgt ständig für Action. Ich werde in späteren Berichten noch beschreiben, wie sie sich z.B. gegenseitig die Nester streitig machen.
Action gibt es jetzt, im zeitigen Frühjahr vor allem zwischen den Gänsen, die ihr Territorium gegen Artgenossen recht aggressiv verteidigen. Selbst im Flug wird dem Gegner noch in das Hinterteil gebissen.






Auch bei den Schwänen gibt es Terretorialkämpfe. Wenn sie einen überfliegen, hört man das Wummern der Flügel. Fliegen sie dicht über der Wasseroberfläche, dann schlagen sie oftmals mit den Flügeln auf das Wasser.





Ruhiger geht es bei den Löffelenten mit ihren markanten Schnäbeln auf dem Rohrdommel-Projekt zu. Sie gründeln und drehen sich, während der Kopf im Wasser ist, im Kreis. Sie wühlen den Grund auf, um an die Nahrung (Wasserflöhe, Würmer, Plankton, Larven, Laich usw.) zu kommen.


Die Reiherenten erkennt man an ihren leuchtend gelben Augen, dem kurzen Schnabel und dem runden Kopf. Die Männchen haben am Hinterkopf einen langen Schopf, wie man ihn von Reihern kennt.



Unscheinbarer dagegen sind die Schnatterenten, die auf dem Rohrdommel-Projekt schwimmen.


Nutrias kann man hier ebenfalls beobachten. Sie ähneln stark den Bibern, haben aber statt einer Kelle „Rattenschwänze“. Deshalb werden sie auch „Biberratte“ genannt. Oft werden sie auch mit dem Besam (Bisamratte) verwechselt.


Jedoch hat der Bisam keine Schwimmhäute an den Hinterläufen. Nutrias haben als Unterscheidungs-merkmal auch deutlich weiße Schnurrhaare (Tasthaare) und deutlich sichtbare Ohren. Ein kleines Nutria sucht sich auf dem Pfad sein Futter und lässt sich durch die vielen anwesenden Fotografinnen und Fotografen und durch die Auslösegeräusche der Kameras nicht im Geringsten stören. Vielleicht hält es auch deshalb die Augen geschlossen, damit es das ganze Fotografen-Elend nicht sieht.




Ein Kormoran schwimmt nur knapp zwei Meter von mir entfernt durch das Gebiet der Wasserralle und der Teichhühner.
Die Wasserralle selber hat wohl etwas gegen mich (vielleicht, weil ich Wasserrab statt Wasserrall heiße). Bis jetzt habe ich sie jedenfalls noch nicht zu Gesicht bekommen.


Ich habe heute auch das Glück, Zwergtaucher beim Nestbau und bei der Paarung zu beobachten! Der kleine Film zeigt, dass er wohl nicht so richtig in Stimmung ist. Da sie aber auffordernd im Nest liegt, überwindet er sich schließlich, statt einen auf Migräne zu machen…
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Natürlich haben auch Blässhühner und Haubentaucher Frühlingsgefühle und bauen fleißig Nester. Davon aber später in einigen speziellen Berichten.

Ein Graureiher überfliegt das Gelände. Im Schnabel hat er einen Ast als Baumaterial für sein Nest. In der Nähe des De Wittsees bzw. der Krickenbecker Seen, gibt es eine große Graureiherkolonie. Allerdings ist diese nicht zugänglich.
Auch ein Bussard überfliegt das Gelände auf der Suche nach Beute.


Nicht nur Wasservögel gibt es am De Wittsee. Schwanzmeisen, Wintergoldhähnchen, Rohrammer und Drossel kann ich ablichten. Wenn das Frühjahr wärmer wird, blühen die Weidenkätzchen und die Libellen fangen an, umherzufliegen.







Im Abendlicht fotografiere ich noch einen Graureiher, der reglos am anderen Nette-Ufer hockt. Ich bleibe an diesem Tag bis zum Sonnenuntergang, um stimmungsvolle Aufnahmen von Vögeln und Schilf in der untergehenden Sonne zu machen.







Ganz in der Nähe des De Wittsees gibt es den großen Naturschutzhof, der von hier aus gut zu Fuß erreichbar ist und für Erwachsene und Kinder gleichermaßen viel Interessantes und Lehrreiches bietet. Der Naturschutzhof ist das ganze Jahr rund um die Uhr begehbar. Das dort untergebrachte Landcafé Stemmeshof ist nur am Wochenende (März bis Oktober auch freitags) geöffnet.
Ich kann nur jedem empfehlen, einmal diese Gegend zu besuchen. Der Frühling (April/Mai) ist m.E. die ideale Zeit dafür. Aber nicht einfach durch das Gebiet laufen! Nimm dir viel, viel Zeit! Stell dich an die Nette und das Rohrdommel-Projekt und warte auf spannende Aktionen der Tiere und beobachte! Es ist dort immer was los! Wo die Fotografen stehen, dort sind die lohnenden Stellen.

Alle Berichte von der Nette und vom De Wittsee:
So richtig nett ist’s nur an der Nette – Naturbeobachtungen am De Wittsee
An der Nette wird’s noch netter: Familienplanung und Familienleben an Nette, Rohrdommelprojekt und De Wittsee
Die Wasserralle oder: Was kostet ein Foto
Kann eine Ente einen Frosch im Hals haben? – Schlemmen an der Nette
Hallo Ronald,
ja, der De Wittsee und die Moorfläche haben viel zu bieten … wenn das nur nicht so weit weg wäre. 😉
Hier sind meine Favoriten eindeutig die Bilder mit der Sonne unten dem Schilf … wahnsinnig schön. 🙂
VG Frauke
Hallo Frauke,
vielen Dank! Das freut mich.
Nach einer durchknipsten Sternennacht konnte ich Deinen Kommentar erst jetzt, nach drei Stunden Schlaf, freigeben.
Viele Grüße
Ronald
Hallo Ronald,endlich habe ich es mal geschafft deine Webseite zu besuchen.Ganz tolle Fotos zeigst Du.Als ich dich damals an der Nette getroffen habe,war ich selbst zum ersten mal zum fotografieren da und du gabst mir deine Visitenkarte und hast sehr viel über die dort anzutreffenden Tiere erzählt,das fand ich echt klasse.Auf den Fischreiher im Abendlicht habe ich dich aufmerksam gemacht,ich war zu langsam.Ein ganz schönes Fleckchen Erde ist dort rund um die Nette entstanden und ich war mittlerweile schon unzählige Male dort.Vielleicht trifft man sich dort nochmals,ich würde mich freuen.Gruß Carsten
Hallo Carsten,
schön, dass du auf meiner Website warst und dich gemeldet hast. Ja, der Reiher war ein schönes Motiv in schönem Licht! Danke noch mal! Vielleicht hast du meinen Bericht über die Moorfrösche gelesen. Die „späten“ Bilder habe ich ja an dem Tag gemacht, als wir noch zusammen im Galgenvenn waren.
Zum De Wittsee steht noch ein Bericht von mir aus. Nämlich der Bericht über die Haubentaucher- und Blässhuhn-Küken.
Ich wünsche dir allzeit „Gut Licht“!
Liebe Grüße
Ronald
Na klar,ich habe mir alleine deine Berichte angesehen,sehr toll.
Schade das die Moorfrösche nicht mehr blau waren.
Vielleicht werde ich es nächstes Jahr erleben.
Gruß Carsten
Hallo Ronald, tolle Bilder, echt.
Ob das der Luftkampf der Graugänse , der Schwanenkampf oder der Kampf des armen Kamberkrebses ist. Alle sind super. Sehr schön finde ich auch die Bilder des Sonnenuntergangs am Rohrdommel-Projekt, besonders das schwarz-weiße mit der knallroten Abendsonne. Klasse. Danke für das schöne Erlebnis.
Liebe Grüße
Heidi
Hallo Heidi,
lieben Dank für deinen schönen Kommentar!
Toll, dass du von den Bildern begeistert bist.
Es kommt aber noch besser. Warte noch ein Weilchen, bis die Berichte vom Nachwuchs am De Wittsee, den jungen Purpurreihern, der Wiedehopf-Fütterung und den Bienenfressern erscheinen!
Liebe Grüße
Dein Schwager Ronald
Hallo Ronald , einen Lehrreichen und kurzweiligen
“ Reisebericht “ hast du hier verfasst, gespickt mit sehr gut gemachten Fotos. Das Kamberkrebs Thema war mir bis dahin nicht bekannt. Einige Fotos wiederum sind mir sehr bekannt, ich glaub da haben wir nebeneinander gestanden. Auch das kleine “ Sex “ Filmchen amüsiert.
Gerne lese ich deine Berichte , von wo auch immer.
Mach weiter so…. und beste Grüße
Hallo Heinz,
vielen Dank für deinen Kommentar!
Ja, kann sein, dass wir bei einigen der Bilder „simultan“ fotografiert haben.
Du darfst dich jetzt schon über den zweiten Bericht vom De Wittsee (Nachwuchs bei den Haubis und den Blässis) freuen!
Gestern war ich übrigens mit Peter noch einmal bei den Bienenfressern. Irgendwann wird es auch hierüber einen Bericht geben.
Liebe Grüße aus der Nordeifel
Ronald