Als kundiger eifelpanorama-Leser weißt du natürlich, dass der gemeine Nord-Eifeler üblicherweise Els trinkt. Allerdings soll es bei uns auch erkleckliche Bestände an flüssigem Enzian geben, die aus fernen Bundesländern importiert wurden.
Heute geht es aber nicht um die flüssige Form des Enzians, sondern um die feste. Und es geht auch nicht um den Gelben Enzian, aus dessen Wurzeln die flüssige Form hergestellt wird, sondern um den blauen Enzian, genauer gesagt um den Lungenenzian.
„Enzian in der Eifel?“ fragst du erstaunt, und ich antworte dir mit der, meiner Meinung nach, ursprünglichen Form eines bekannten Liedes, das ein noch bekannterer Eifel-Barde gesungen hat:
„Ja, ja, so blau, blau, blau blüht der Enzian, wenn beim Eifelglühn wir uns wiedersehn.“
Ich glaube nämlich, man hat irgendwann das Wort „Eifelglühn“ durch „Alpenglühn“ ersetzt, weil die Alpen ja viel spektakulärer sind als die Eifel. Immerhin sind sie mehr als sechsmal so hoch wie die höchste Erhebung der Eifel, die Hohe Acht. Die Alpen lassen sich scheinbar besser verkaufen als die Eifel.
Sei’s drum. Klar ist jedenfalls für mich, dass Heino mit seinem Lied einen Hinweis darauf gegeben hat, dass es in der Eifel Enzian gibt. Und ich wäre nicht ich, wenn ich solchen Hinweisen nicht ernsthaft nachgehen würde. Doch wo nach dem seltenen Gewächs suchen? Natürlich dort, wo Heino wohnt! Hätte er den blauen Enzian besungen, wenn er ihn nicht gesehen hätte? Na also! Keine 20 Km südwestlich von seinem Wohnort Bad Münstereifel entfernt, liegt die Sistig-Krekeler Heide. Und dort, so erfuhr ich anlässlich einer botanischen Führung im Mai durch dieses Gebiet, gibt es den stark gefährdeten Lungenenzian Gentiana pneumonanthe. Es soll sich sogar um den größten Bestand in NRW handeln (übrigens gibt es hier auch den größten Bestand der Grünen Hohlzunge in NRW).
Heute, am 18.07.2014 ist es endlich soweit, heute soll es geschehen. Heute will ich die Jagd auf den blaublütigen Enzian eröffnen! Laut Wikipedia ist die Blütezeit „je nach Blühsippe“ Juni bis Oktober. Bei herrlichem Sommer-Wetter düse ich Richtung Krekeler Heide.

Vorher schreibe ich meiner Frau noch einen Zettel, damit sie, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt weiß, wo ich mich herumtreibe.
Wegen der botanischen Bedeutung darf die Krekeler Heide erst Ende August gemäht werden, hatte ich gelesen. Als ich dort ankomme, d e r Schock: alles frisch niedergemäht!
Ich packe meine Fotosachen erst gar nicht aus, sondern mache nur eine kurze Begehung des Geländes. Etwa vierzig Meter weiter, hinter den Ausläufern eines Wäldchens entdecke ich zu meiner Freude, dass dort noch nicht gemäht wurde. Also zurück zum Auto und die wichtigsten Dinge der Ausrüstung in die Taschen meiner Foto-Weste gepackt. Mit den prall gefüllten Innen-/Außen-/Seiten- und Brusttaschen weiß jeder, der mich sieht sofort, dass ich nicht so dick bin, wie ich aussehe…

Jede Menge Schachbretter fliegen hier durch die Gegend. Auch andere Schmetterlinge flattern über die Wiese, wie z.B. das große Ochsenauge.
Auf einer Flockenblume entdecke ich ein Blutströpfchen. Blutströpfchen heißen sie im Volksmund. Sie werden auch Widderchen genannt und gehören zu den Nachtfaltern. Was die hier mitten am Tag zu suchen haben, bleibt ein Rätsel… Tatsächlich fliegen Widderchen aber nur bei Sonnenschein.

Und dann durchfährt es mich wie ein Blitz: Da ist er. Mein erster Lungen-Enzian in freier Natur!



Ein Widderchen turnt auf einer Enzianblüte herum. Ich stehe staunend davor und denke darüber nach, wie wunderbar die Natur das eingerichtet hat, dass schon die Kleinsten wissen, wie gut ein Enzian schmeckt.




Abends fahre ich dann noch Richtung Hoscheit an die Kall, weil es dort angeblich auch Lungenenzian geben soll. Leider finde ich das Objekt der Begierde an dem Abend an der Kall nicht. Dafür entdecke ich dort aber etwas anderes, das mich die nächsten Wochen in Atem halten soll. Ich werde später noch darüber berichten!
Zuerst aber geht die Jagd nach dem blaublütigen Enzian weiter. Denn es gibt in der Eifel nicht nur den Lungenenzian, den ihr jetzt kennengelernt habt, sondern noch einige andere Enzian-Arten. Hierüber und was es drum herum noch Schönes zu entdecken gibt, zeige ich euch im zweiten Teil meiner Enzian-Trilogie.
Und die Moral von der Geschicht‘? Ohne Heino find’st du Enzian nicht!
Wenn Du auch besonderen Objekte gefunden hast, Solltest Du Dir den Fundort notieren. Eine komfortable Möglichkeit beschreibe ich hier: „Fundorte notieren – App statt Notizbuch„.
Lieber Ronald,
schön war es deinen Bericht und die wunderbaren Fotos zum Blau – blau- blau-blühenden Lungenenzian zu lesen. Seitdem ich von deiner Sucht nach der Suche des Enzians weiß, bin auch ich infiziert. Und stell dir vor, auch ich habe für dich im Urlaub in Südtirol so einige blau- blühende Blumen fotografiert und hoffe doch sehr ,dass es sich um eine Enzianart handelt. Wenn ihr wieder zu Hause seid, bitte ich dich um eine Identifizierung !!!
Dir und deiner lieben Erika wünsche ich noch einen schönen Urlaub in Höchenschwand
Irmgard
Liebe Irmgard,
vielen Dank für deinen Kommentar zu meinem ersten Teil der „Enzian-Trilogie“. Unser Urlaub ist nun schon wieder vorbei. Ich bin gespannt auf deine Fotos und werde mich in den nächsten Tagen bei dir zur Identifizierung melden!
Der zweite Teil meiner „Enzian-Trilogie“ ist auch soweit fertig und wird entweder schon heute oder zumindest in den nächsten Tagen veröffentlicht.
LG Ronald
schöne Bilder, wie immer. Vor allen Dingen kannst du die Bilder sehr gut präsentieren. Macht richtig Spaß zu lesen, weiter so. Bis bald
Heidi
Hallo liebste und einzige Schwägerin Heidi,
danke für deinen Kommentar! Warte erst mal auf den zweiten Teil meiner Enzian-Trilogie!
Liebe Grüße (auch von deiner liebsten und einzigen Schwester Eka!)
Ronald
Hallo lieber Ronald,
etwas verspätet, aber dennoch mit viel Freude, möchte ich mich
für die wundervollen Fotos bedanken. Weitere „Enzian-Schönheiten“ hab ich am Sonntag 14.09.2014 mit Maria auf der Eifel-Höhenklinik in Marmagen gesichtet. Mach weiter so…
Grüßt Dich voller Bewunderung Katharina
Liebe Katharina,
danke, dass du hier hereingeschaut hast. Und danke für deinen lieben Kommentar!
Ja, zwischen Marmagen und Wahlen liegt das Gillesbachtal mit dem Hundsrück. Hier waren wir ja im Mai auch mit Herrn Linne von Berg, nachdem er uns durch die Krekeler Heide geführt hat. Damals blühten auf dem Hundsrück die Orchideen und jetzt Herbstzeitlose, jede Menge Deutscher Fransenenzian und einige Exemplare des gewöhnlichen Fransenenzians.
Ich hoffe, wir sehen uns auf meiner Wanderung zur Hirschbrunft auf der Dreiborner Höhe.
Bis dahin liebe Grüße
Ronald
Was für ein schöner Beitrag! Du machst das super super toll!
Du siehst Sachen, die andere nicht mehr sehen!
Vielen vielen Dank!
lieben Gruß aus Höchenschwand – ich heize gleich meinen Schwedenofen an; es ist feucht-kalt- hat nichts mit Sommer oder Spätsommer zu tun….
Anni
Hallo Anni,
vielen Dank für deinen Kommentar zum ersten Teil meiner „Enzian-Trilogie“. Du darfst gespannt sein auf den zweiten Teil und den Bericht über das, was ich am Biberteich zu meiner Überraschung entdeckt habe.
Liebe Grüße nach Höchenschwand
Ronald